CANON EOS M50 Mark II im Test

Die Canon EOS M50 Mark II ist der Nachfolger der EOS M50 und bietet vor allem im Video etwas mehr: Augen-AF, Youtube Streaming über WLAN, Hochformat Video usw. Ich habe die Kamera sowohl für Foto, als auch für Video getestet und ziehe einen kleinen Vergleich mit der Sony A6100 und der Fujifilm X-T200.

CANON EOS M50 Mark II im Test und Vergleich. Mein Review auf YouTube.

Überblick

Erstmal ein kleiner Überblick. Laut Canon sind die Hauptfeatures vor allem die WLAN und Bluetooth Konnektivität. Du kannst Videos jetzt auch im Hochformat aufnehmen, z. B. für TikTok. Du kannst mit der Kamera Livestreamen in Full HD und theoretisch 4K, Youtube Livestreaming geht sogar im WLAN ganz ohne Computer dazwischen. Das ist soweit ich weiß die einzige Kamera die das kann. Der APS-C große Sensor hat 24MP, das ist gleich geblieben. Das Display lässt sich in alle Richtungen drehen und Du kannst ein Mikrofon anschließen und natürlich die Objektive wechseln. Das war der Schnelldurchlauf, jetzt schauen wir ins Detail.

Gehäuse

Ich hatte zur M50 schon ein Video gemacht. Da die Kameras fast identisch sind, schau es Dir gerne zusätzlich an. Das Gehäuse ist soweit ebenfalls identisch. Es ist eine relativ kleine Kamera, die bezogen auf die Größe relativ gut in der Hand liegt. Der Akku ist der gleiche wie vorher: LP-E12, er hält jetzt aber gut 100 Aufnahmen länger, also ca. 320 Aufnahmen statt 235 und ist damit jetzt auf Höhe der Konkurrenz.

Mein Praxistest zum Vorgänger, der Canon EOS M50.

Es gibt nach wie vor nur ein Einstellrad. Den meisten Einsteigern wird das völlig genügen. Als fortgeschrittener Fotograf wünscht man sich mind. 2 Einstellräder um die Kamera schneller bedienen zu können. Da es eine Kamera im Einstiegssegment ist das ok. Die Anschlüsse sind ebenfalls gleich geblieben, es bleibt bei Mikro-USB, obwohl USB-C eigentlich mittlerweile ein Standard sein sollte. Aber auch das finde ich halb so wild. Was ich jedoch schade finde, und nicht mehr zeitgemäß, das Du nach wie vor weder den Akku über USB laden kannst, noch die Kamera mit Strom versorgen. Zum Fotografieren ist das egal, externes Ladegerät wird mitgeliefert. Nimmst den Akku also einfach raus zum laden. 

Aber gerade weil es als Streamingkamera beworben wird, macht es absolut Sinn die Kamera mit Dauerstrom zu versorgen. Das ist auch möglich, aber nicht über USB, sondern Du musst Dir zusätzlich einen Akku Dummy kaufen, und das sind auch wieder 30€. Wenn Du also Dauerstrom brauchst, Akku Dummy + Netzteil gibt es zum Beispiel den hier: >> LPE12-Dummy-Battery*.

Sucher/Display

Beim Sucher bleibt es beim OLED mit 2,4 Mio. Punkten, das ist für die Preisklasse gut, die Sony A6100 ist hier z. B. schlechter. Aber von der Suchervergrößerung, also von der Größe des Suchers, ist die Canon ziemlich klein. Das Display hat die üblichen 3″ mit 1 Mio. Punkten. Hier ist alles gut. Und Canon typisch dreh- und klappbar in alle Richtungen, also auch nach vorne für Selfies und fürs Vloggen. Das ist super. 

Sensor/Bildqualität

Der Sensor hat 24MP wie beim Vorgänger und auch wie bei den Mitbewerbern von Sony oder Fujifilm. Von der Größe ist es ein APS-C Sensor mit einem Crop-Faktor von Canon typischen 1,6x. Das ist ein Hauch kleiner als Sony, Fuji und Nikon (mit 1,5x crop), aber immer noch deutlich größer als Panasonic und Olympus mit MFT. Von den Farben her hat Canon den Ruf schöne Hauttöne zu liefern. Das kann man objektiv schlecht testen, das werde ich aber demnächst mal bei Instagram in einer Blindstudie testen, wenn Du da mitmachen willst, folge mir da gerne.

Von der Bildqualität nehmen die APS-C Kameras sich eigentlich nichts mehr. Zumindest nicht vom Sensor. Da ist es viel entscheidender welche Objektive Du verwendest, als der Sensor. Das Kit Objektiv hatte ich bereits mit der M50 getestet in meinem alten Video. Für ein günstiges Kit Objektiv ist es gut und besser als das Sony 16-50, was mit der 6100 mitgeliefert wird. Etwa auf dem Niveau des Fuji Kitobjektivs an der X-T200, aber nicht so gut wie das Nikon Kit der Z50, aber die Nikon kostet auch 200€ mehr. Sprich, die Qualität ist ok, aber Du kannst mit besseren Objektiven auch mehr rausholen.

Was ich beim Sensor immer teste ist die Sensor Auslesegeschwindigkeit. Das ist vor allem wichtig wenn es um das lautlose Fotografieren geht. Die Kameras bzw. der Verschluss klackt ja wenn Du auslöst. Das kannst Du bei fast allen Kameras abschalten, dann löst die Kamera elektronisch aus. Das hat aber den Nachteil das es verzerrte Bilder bei Bewegung geben kann und Banding, also Streifen im Bild bei Kunstlicht. Die M50 Mark II braucht 79ms bzw. 1/13s um den Sensor auszulesen. Das ist sehr langsam. Grundsätzlich sind alle Kameras in der Preisklasse ziemlich langsam, aber was diesen Punkt angeht ist die M50 Mark 2 die langsamste. Was heißt das für Dich? Lautlos Modus würde ich nicht verwenden. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum das so gut versteckt ist, den Modus gibt es nämlich ausschließlich über das. Hat das ansonsten Nachteile? Ein wenig, wenn es um den AF geht, da kommen wir noch zu.

Bedienung

Die Bedienung fand ich bei der M50 schon super, das ändert sich hier nicht. Klar aufgebaut, Menü gibt es mit extra Anleitung, ist einfach gemacht und Daher gut für Einsteiger. Als Fortgeschrittener kannst Du das extra Menü auch ausschalten, dann sieht es aus, wie bei anderen Canon Kameras auch. MyMenü habt ihr dann ebenfalls, also ein Menü das Du auf Dich persönlich anpassen kannst, das gibt es im einfacheren Menü nicht. 

Touch-Bedienung ist möglich und gut umgesetzt. Also von der Bedienung finde ich die M50 Mark 2 besser als Sony und Fuji, vor allem Einfacher. Einziger Nachteil ist wie schon gesagt, das es nur ein Einstellrad gibt. Aber wie gesagt, Einsteiger wird es nicht stören und als Fortgeschrittener kannst ja überlegen ob es Dich stören würde.

Autofokus

Canons Dual Pixel AF war schon immer gut und ist jetzt im Vergleich zur M50 noch einmal besser geworden. Die M50 war ja die erste Canon mit Augen-AF, aber leider nur im Single Modus, also ohne Nachfokussierung. Die Mark II kann das Auge auch nachverfolgen im Servo Modus. Das ist heute allerdings Standard, das kann die Sony A6100 und Fuji X-T200 ebenfalls.

Ebenfalls neu, die Mark II kann auch im Videomodus das Auge nachfokussieren und das kann Sony und Fuji so nicht, aber da reden wir noch drüber, wenn es um Video geht. Im Vergleich zum Vorgänger fokussiert sie jetzt auch besser bei schlechterem Licht.

Geschwindigkeit

Die Serienbildgeschwindigkeit ist gleich geblieben, 10 Bilder/s. Und im Servo Modus, also mit Nachfokussierung sind es dann noch 7 B/s. Das ist ähnlich wie Fuji, die Sony A6100 ist hier aber schneller, da sind 11 B/s mit Nachfokussierung. Der Puffer, also Zwischenspeicher ist bei allen Kameras in der Klasse relativ klein. Also eine kurze Serie ist kein Problem, 36 JPEGs oder 10 RAW. Aber wenn Du hauptsächlich Sport fotografieren willst, lohnt es sich jedenfalls etwas mehr Geld auszugeben.

Stabilisator

Einen IBIS, sprich einen Stabilisator im Gehäuse hast Du nicht, das hat aber auch keine Kamera in der Preisklasse, das gibt es erst über 1.000€, aber einen Stabi je nach Objektiv. Für Video hast Du einen elektronischen Stabilisator in zwei Stufen einstellbar.

Video

Die Kamera soll für Vlogger und Content Creator sein? Ok checken wir doch mal. Display nach vorne? Check, kann sie Hochformat filmen für TikTok und Instagram? Check, kann sie, konnte der Vorgänger nicht.  Full-HD und 4K? Check, kann sie auch. Stabi für Vlogger? Über die Objektive und zusätzlich elektronisch. Ja, hat sie. Zum Streamen hat sie einen Clean-HDMI Ausgang, sprich ein Videosignal ohne das die Kameradaten eingeblendet werden? Ja, hat sie jetzt auch, das ist ein Unterschied zum Vorgängermodell, die hatte das nämlich nicht.

Also Streamen kein Problem in HD und sogar 4K, jedenfalls theoretisch. Und neu, zumindest für Youtube kannst Du auch über WLAN streamen ohne Computer dazwischen. Du hast also die Wahl, direkt über USB mit der Canon Webcam Utility Software, oder über HDMI mit nem Camlink, oder Youtube sogar im WLAN. Das hab ich allerdings selbst nicht ausprobiert. Dafür musst Du dich auf der Canon Seite registrieren und es erst einmal einrichten. Das hab ich so jedenfalls noch bei keiner Kamera gesehen, könnte für den ein oder anderen sicherlich interessant sein. Das Netzteil Problem hatte Ichs schon angesprochen, wenn Du Dauerstrom brauchst, musst noch ein Akku-Dummy* dazu kaufen. 

Neu zum Vorgänger, Augen-AF gibt es auch im Video und auch bei 4K. Der Fokus bleibt also auf Deinem Auge. Bei 4K hat die M50 Mark II allerdings immer noch zwei Schwachpunkte, Augen-AF ja, aber kein Dual Pixel AF. Sprich der AF ist bei Full-HD nach wie vor besser, als bei 4K. Die Zuverlässigkeit das wirklich das Auge scharf bleibt ist bei FHD einiges höher. Dazu kommt, das bei 4K wie beim Vorgänger nicht der ganze Sensor ausgelesen wird, sondern es gibt einen 1,5x crop zusätzlich zum APS-C crop. Dir fehlt also WW. Mit elektr. Stabi landest Du bei 1,7x crop. Die 4K Qualität ist damit nicht so gut wie bei Sony oder Fuji, die beide den vollen Sensor nutzen und oversamplen statt croppen.

Ein weiterer Punkt den ich etwas schade finde, im Video gibt es nach wie vor nur die Möglichkeit in der Automatik zu filmen oder Manuell. Halbautomatik, also Zeitvorwahl oder Blendenvorwahl ist leider nicht möglich. Mikrofoneingang gibt es, weiterhin aber kein Kopfhörerausgang wie beim Vorgänger. Das ist durchaus Normal in der Preisklasse, Sony hat das auch nicht, die Fuji X-T200 aber zum Beispiel schon. Nachwievor gibt es eine 30 Min. Aufnahmegrenze bei Video. Wenn Du also länger filmen möchtest ohne Unterbrechung z. B. Interviews, ist die Sony vielleicht eher etwas für Dich.

Kurz zum Rolling Shutter, also Verzerrungen beim Schwenken. Da ist die Kamera im Mittelfeld. Also nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht:

Rolling Shutter – Auslesegeschwindigkeit des Sensors: 
4K PAL: 32,5ms, 1/31s
Full-HD: 13,5ms, 1/74s
HD 100p: 6,7ms, 149/s

Fazit

Wie auch schon die M50, gefällt mir die Kamera gut. Sie ist von der Bedienung sehr schön gemacht, und eignet sich gerade für Einsteiger ganz gut. Das Kitobjektiv ist vom Preis-/Leistung gut. Aber da hat sich nicht viel geändert zum Vorgänger. Neu dazu gekommen sind vor allem Video Features. In 4K hinkt sie immer noch der Konkurrenz hinter her aber in Full HD ist sie gut und vor allem vom AF sehr zuverlässig. Nicht zu vergessen die Streamingmöglichkeiten für Youtube, da ist sie einzigartig.

Vom Objektivsystem ist sie nach wie vor nicht so gut aufgestellt wie Fuji und Sony. Es gibt ein Superzoom, Pancake, Tele usw. Ein lichtstarkes Porträtobjektiv gibt es von Canon immer noch nicht, aber dafür mittlerweile z. B. von Viltrox. Das ist also nicht mehr das größte Problem. Ein Tele über 200mm gibt es aber weiterhin nicht, also für die Tierfotografie. Theoretisch könntest Du Objektive adaptieren. Aber ganz ehrlich, wenn Du gerne Wildlife fotografieren willst, da würde ich ein anderes Kamerasystem nehmen. Wenn Du umgekehrt aber Weitwinkel oder Superweitwinkel magst, da gibt es ein echt gutes und günstiges Objektiv von Canon. Das EF-M 11-22mm F4-5.6* liegt bei 300€, bei Sony und Fuji kostet das eher das Doppelte.

Also für wen ist die Kamera? Du magst es einfach? Willst nicht viele Objektive. Du willst auch nicht so viel manuell einstellen? Du magst eher WW als Tele? Dann ist sie bestimmt interessant für Dich. Du hast bereits Canon Objektive die Du adaptieren willst? Auch dann ist es sicherlich Deine erste Wahl. Du filmst oder streamest gerne in HD? Ebenfalls eine super Kamera. Wenn Du aber gerne Wildlife und Tiere fotografierst Schau Dir mal die Fuji X-T200 oder Sony A6100 an, oder Du möchtest in 4K filmen und vielleicht auch länger als 30 Min. am Stück? Dann schau Dir eher mal die Sony A6100 an. Das sind die beiden Alternativen in der Preisklasse.

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